Energetische Sanierung und Radon
Eine energetische Sanierung verbessert den Wohnkomfort und senkt den Energieverbrauch — sie kann jedoch die Radonsituation in Innenräumen verändern. Wer Radon bei der Sanierung mitberücksichtigt, vermeidet unerwartete Folgen.
Warum Radon und energetische Sanierung zusammenhängen
Energetische Sanierungen zielen darauf ab, Wärmeverluste zu minimieren und das Gebäude luftdichter zu machen. Diese Massnahmen reduzieren den natürlichen Luftaustausch und können dazu führen, dass Radon, das aus dem Baugrund eindringt, weniger verdünnt wird und sich in Innenräumen ansammelt. Auch wenn die Radonwerte vor der Sanierung unauffällig waren, können sie danach höher ausfallen.
Umgekehrt können bestimmte Sanierungsmassnahmen — etwa eine kontrollierte Wohnraumlüftung — die Radonsituation auch verbessern, wenn sie fachgerecht geplant und ausgeführt werden.
Energetische Massnahmen und ihre Auswirkungen auf Radon
Die folgenden energetischen Massnahmen können die Radonkonzentration in Innenräumen beeinflussen. Die tatsächliche Auswirkung hängt vom Gebäude, dem Untergrund und der Umsetzung im Einzelfall ab:
Neue Fenster
Moderne Fenster mit hoher Dichtigkeit reduzieren Fugenlüftung und natürlichen Luftaustausch. Radon in der Raumluft wird weniger verdünnt. Ein gezieltes Lüftungskonzept kann dem entgegenwirken.
Dämmung
Fassaden- und Dachdämmungen verbessern die thermische Hülle, können aber die natürliche Infiltration weiter reduzieren. Insbesondere bei Kellerräumen kann dies relevant sein, wenn Radon aus dem Baugrund in das Gebäude eindringt.
Lüftung
Eine kontrollierte Wohnraumlüftung kann helfen, die Radonkonzentration zu regulieren. Sie kann sowohl Teil der Lösung als auch — bei falscher Auslegung — eine zusätzliche Herausforderung sein. Wichtig ist die Abstimmung mit dem gesamten Lüftungskonzept.
Reduzierte Infiltration
Massnahmen zur Luftdichtheit — etwa Dampfsperren, luftdichte Anschlüsse und verklebte Bahnen — verringern den unkontrollierten Luftaustausch. Dadurch kann sich Radon in Innenräumen anreichern, wenn keine ausreichende kontrollierte Lüftung vorhanden ist.
Neue Heizung
Der Wechsel des Heizsystems — etwa von einem offenen Kamin oder einer Ölheizung zu einer Wärmepumpe — kann die Luftströmung und Druckverhältnisse im Gebäude verändern. Auch dies kann Auswirkungen auf die Radonsituation haben.
Druckverhältnisänderungen
Bauliche Veränderungen, neue Lüftungsanlagen oder andere Haustechniksysteme können die Druckverhältnisse zwischen Gebäudeinnerem und Baugrund verschieben. Ein veränderter Unterdruck im Gebäude kann verstärkt Radon aus dem Boden ansaugen.
Koordination von Sanierung und Radonschutz
Energetische Sanierung und Radonschutz sollten gemeinsam betrachtet werden. Eine enge Koordination zwischen Energieberater, Architekt, Bauleitung und einer Radonfachperson hilft, Synergien zu nutzen und Zielkonflikte zu vermeiden.
Ziele frühzeitig abstimmen
Energieeinsparung, Wohnkomfort und Radonschutz sollten von Beginn an gemeinsam betrachtet werden. So können Massnahmen aufeinander abgestimmt und unnötige Mehrkosten vermieden werden.
Radonfachperson einbeziehen
Eine Radonfachperson mit anerkannter BAG-Ausbildung kann beurteilen, ob und wie die geplanten energetischen Massnahmen die Radonsituation beeinflussen könnten und welche flankierenden Massnahmen sinnvoll sind.
Gewerkeübergreifend planen
Abdichtung, Lüftung und Heizung sind keine isolierten Massnahmen. Eine gewerkeübergreifende Planung stellt sicher, dass sich die einzelnen Massnahmen nicht gegenseitig beeinträchtigen.
Radonmessung vor und nach der energetischen Sanierung
Vor dem Beginn einer grösseren energetischen Sanierung kann eine Radonmessung sinnvoll sein, um die Ausgangslage zu kennen. Eine zweite Messung nach Abschluss der Sanierung zeigt, ob und wie sich die Radonkonzentration verändert hat.
Messung vor der Sanierung
Eine Messung vor Beginn der Arbeiten liefert einen Referenzwert. Sie zeigt, ob bereits vor der Sanierung erhöhte Radonwerte vorliegen und in die Planung einbezogen werden sollten.
Messung nach der Sanierung
Nach Abschluss der energetischen Massnahmen zeigt eine Messung, ob und wie stark sich die Radonkonzentration verändert hat. Dies ist besonders wichtig, wenn der Referenzwert von 300 Bq/m³ vorher bereits grenzwertig war.
Anerkannte Messstelle
Wenn ein anerkanntes Resultat benötigt wird, ist die Messung von einer geeigneten anerkannten Radonmessstelle durchzuführen. Nur sie kann ein offiziell anerkanntes Messprotokoll erstellen.
So können Sie vorgehen
Situation beschreiben
Gebäudeart, geplante Sanierungsmassnahmen und betroffene Räume angeben.
Anfrage übermitteln
Angaben über das Formular übermitteln. Wir prüfen die mögliche Vermittlung.
Radonsituation beurteilen
Eine Radonfachperson kann die Wechselwirkungen zwischen geplanten Sanierungsmassnahmen und Radonsituation fachlich beurteilen.
Massnahmen abstimmen
Energetische und radonrelevante Massnahmen werden gemeinsam geplant und aufeinander abgestimmt.
Messung nach Sanierung
Nach Abschluss der Arbeiten die Radonsituation durch eine anerkannte Messstelle prüfen lassen, wenn angezeigt.
Häufige Fragen
Kann eine energetische Sanierung die Radonbelastung erhöhen?
Ja. Neue dichte Fenster, eine verbesserte Dämmung und eine luftdichtere Gebäudehülle verringern den natürlichen Luftaustausch. Dadurch kann sich Radon in der Raumluft ansammeln, wenn es aus dem Baugrund eindringt. Eine kontrollierte Wohnraumlüftung oder begleitende Radonschutzmassnahmen können dem entgegenwirken.
Wann sollte ich vor einer Sanierung eine Radonmessung machen?
Eine Radonmessung vor Beginn der Sanierung ist besonders dann sinnvoll, wenn Räume im erdberührten Bereich betroffen sind, wenn die Sanierung die Luftdichtheit des Gebäudes verändert oder wenn bereits Hinweise auf erhöhte Radonwerte vorliegen. Sie liefert einen Referenzwert für den Vergleich nach der Sanierung.
Was sagt das BAG zur energetischen Sanierung und Radon?
Das BAG weist darauf hin, dass energetische Massnahmen die Radonkonzentration in Innenräumen beeinflussen können. Es empfiehlt, Radon bei der Planung energetischer Sanierungen mitzuberücksichtigen und nach Abschluss der Arbeiten gegebenenfalls eine Messung durchführen zu lassen.
Können neue Fenster allein schon Probleme verursachen?
Ja. Werden alte, undichte Fenster durch moderne, dicht schliessende Fenster ersetzt, kann der natürliche Luftaustausch deutlich abnehmen. Wenn Radon aus dem Baugrund in die Räume eindringt, kann die Konzentration dadurch ansteigen. Ein angepasstes Lüftungskonzept kann Abhilfe schaffen.
Kann eine Lüftungsanlage das Radonproblem lösen?
Eine kontrollierte Wohnraumlüftung kann die Radonkonzentration positiv beeinflussen, wenn sie fachgerecht ausgelegt ist. Sie ersetzt jedoch nicht automatisch alle Radonschutzmassnahmen. Die konkrete Wirkung hängt vom Gebäude, der Anlage und den örtlichen Gegebenheiten ab.
Wer koordiniert Sanierung und Radonschutz?
Die Koordination sollte durch die Bauleitung, den Architekten oder Energieberater in Abstimmung mit einer Radonfachperson erfolgen. Eine gewerkeübergreifende Planung stellt sicher, dass sich energetische Ziele und Radonschutz nicht widersprechen.
Energetische Sanierung mit Radonschutz kombinieren
Sanierungsvorhaben mit Radonbezug übermitteln und mögliche Vermittlung an eine unabhängige Radonfachperson oder anerkannte Messstelle prüfen lassen. Kostenlos und unverbindlich.
Wichtiger Hinweis: Diese Plattform führt keine anerkannten Radonmessungen durch, interpretiert keine Messresultate und erstellt keine Sanierungskonzepte oder Energieberatungen. Sie dient ausschliesslich der Entgegennahme von Anfragen und der möglichen Vermittlung an unabhängige Radonfachpersonen oder anerkannte Radonmessstellen. Die fachliche Bewertung der Wechselwirkungen zwischen energetischer Sanierung und Radon erfolgt durch die beauftragte Fachperson.